Die mächtigste Steilwand der Erde: Die Rupalwand

Nanga Parbat (DAV) „Wenn man hoch oben steht, nahe dem Gipfel, und zur Diamirseite schaut,
ist
sie ein sanfter Schneehang. Die Rupalwand dagegen ist gewaltig, gefähr-
lich, furchteinflößend.“
(Steve House, der 2005 mit Vince Anderson die Rupalwand im Alpinstil be-
zwungen hat)*

Die Rupalwand, Teil des Nanga Parbat – Massivs, ist mit ihren 4500 Metern die gewaltigste Steilwand der Erde. Sie ist nach Süden hin ausgerichtet und wird von mächtigen Südostpfeilern begrenzt.

Es wurde eine Zeit lang behauptet, dass aufgrund ihrer Größe und Steilheit weder Schnee noch Eis daran haften bleiben, was darüber hinaus für die Namensgebung „Nanga Parbat“ („Nackter Berg“) ausschlaggebend gewesen sein soll. Dem ist allerdings nicht so. Die Rupalwand ist überzogen mit einer Schicht aus Schnee und Eis und, im Gegensatz zu allen anderem Gebirgswänden, komplett von allen Seiten dem schlechten Wetter ausgesetzt. Dane-
ben birgt sie zahlreiche gefährliche Hängegletscher und tiefe, gewaltige Eisrinnen. Bergsteiger an der Rupalwand müssen regelmäßig mit Lawinengefahr rechnen, vor allem zu Neuschnee, aber auch bei Schönwetter. Sobald das Wetter positiv umschlägt, können am Nanga Parbat Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius herrschen. Aufgrund der damit verbundenen Schneeschmelze können leicht Lawinen und Steinschläge abgehen. Besonders gefährlich ist der obere Teil der Rupalwand. Hier herrscht eine geringe Sauerstoffzufuhr. Die benötigen Bergsteiger aber ge-
rade hier weil sie sehr konzentriert und energiegebündelt Eis und Felsen besiegen müssen. Dadurch können sie relativ schnell in Komplikationen geraten.

You Tube: Tarishing Glacier Rupal Face Nanga Parbat (visitPakistan)


Erste Erkundungen der Rupalwand fanden bereits 1963 statt. Durchgeführt von K.M. Herrligkoffer machte die Ex-
pedition 2 Routen aus: die Direttissima, die äußerst steil in der Fallinie des Gipfels verläuft und ein Aufstieg im lin-
ken Teil der Flanke. In den Jahren 1964 und 1968 führte Herrligkoffer seine Erkundungen weiter fort, wobei das Team letztendlich in 7100 Metern Höhe im Merkl-Eisfeld scheiterte. Doch nur zwei Jahre später sollte die Erstbe-
steigung über die Rupalwand erstmals gelingen. Erneut unter der Leitung Herrligkoffers verlief die Besteigung über die Direttissima. Die diesmaligen Teilnehmer, die Brüder Günther und Reinhold Messner schafften das Un-
glaubliche: sie durchstiegen die Rupalwand komplett.

Sechs Jahre später macht sich eine Kleinexpedition unter der Leitung Hanns Schells auf den Weg zur Rupalwand. Das Team entdeckt und ersteigt eine weitere Route an der westlichen Wandseite. Sie führt über Mazeno-Grat und Mazeno-Scharte hinauf zum Gipfel und geht als „Schell-Route“ in die Geschichte des Nanga Parbat ein. Der Süd-
ostpfeiler der Rupalwand wird 1982 von dem Bergsteiger Ueli Bühler erstmals begangen und vollständig durch-
stiegen.

*Messner, Reinhold. 2008. Diamir. König der Berge. Schicksalsberg Nanga Parbat. München: Frederking und Thaler Verlag GmbH.

Hauptquelle:
Märtin, Ralf-Peter. 2004. Nanga Parbat. Wahrheit und Wahn des Alpinismus. Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag.