Der Nanga Parbat – Ein Teil seines Lebens

Steve_House1 „Er macht Fotos für Mama, spricht über Enttäuschungen und ist einer der besten Höhenbergsteiger der Welt: Steve House zählt zur Avantgarde des modernen Alpinismus.“

(Süddeutsche Zeitung)

Von Reinhold Messner als „derzeit bester Höhenbergsteiger der Welt“ bezeichnet zu werden, ist eine ganz besondere Auszeichnung.* Doch wie kam es dazu?

Unter Nicht-Bergsteigern mag der Name Steve House bei vielen nicht geläufig sein. Doch in der Bergsteiger-Szene ist sein Name schon lange in aller Munde. Er gilt, neben Hermann Buhl und Reinhold Messner, als einer der wich-
tigsten Vertreter des Alpinstils. Er ist ein Mensch, der die Öffentlichkeit scheut und nichts davon hält, seine Leis-
tungen kommerziell zu vermarkten. Denn, was ihm heute besonders zu schaffen macht, ist die sich wandelnde Bergsport-Mentalität, die in hohem Maße Gebrauch macht von spektakulären Film- und Tonmaterial sowie PR-
Aktionen. Da das Bergsteigen kein großartig umjubelter Sport mehr ist, fühlen sich viele Bergsteiger dazu verleitet immer mehr aufzufallen, um den Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden.

Doch Steve House schwimmt gegen den Strom. Er lebt den Alpinstil. Das heißt, House verfolgt einen natürlichen Kletterstil und unterlässt den Gebrauch von künstlichem Sauerstoff, sowie von vor dem Aufstieg verlegten Fixsei-
len, Bohrhaken und Leitern. Nach seiner Philosophie soll der Berg so zurückgelassen werden, wie ein Kletterer ihn vorgefunden hat.** Sein Ziel sind weder die höchsten Gipfel noch der größte Ruhm. House möchte die Erfahrung des Ausgesetztseins auskosten. Da dies auf den heutigen Normalrouten kaum möglich ist, meidet er diese. *

Rupalwand

Steve_House

Der Nanga Parbat erwies sich wie geschaffen. Seine erste Begegnung mit dem König der Berge hatte House mit 19 Jahren im Juli 1990. Damals begleitete er als Hilfskraft eine slowenische Expedition zum Nanga Parbat. Aufstei-
gen durfte er nur bis zum Lager zwei. Beim Abstieg verwunderte es ihn, dass die Bergsteiger ihren Müll am Berg hinterließen. House versuchte einen Teil wieder mit nach unten zu nehmen. Diese Eindrücke prägten ihn bis heute. Er machte seinen Bachelor in Ökologie und arbeitete er als international anerkannter Bergführer in Oregon.* Neben seinen Leistungen im Alpinismus ist Steve House auch Begründer des „Single-Push-Climbing“. Mit dieser Technik schaffte er Alaskas Routen in nur 30-40 schlaflosen Stunden. Normalerweise brauchen Expeditionen dafür eine Woche.*

Nach seiner ersten Begehung des Nanga Parbat äußerte House:

Wenn ich eines Tages die Rupalwand besteigen kann, wäre das das Höchste. Ich kann mir kaum vorstellen, jemals so gut zu werden.“

Er wurde so gut. Seine Klettertechniken verfeinerte er vor allem an der Alaskakette in Nordamerika und  am Mount McKinley. Dazu bringt er wichtige Eigenschaften mit: Beharrlichkeit, Gedult, Belastbarkeit und Willensstärke. Eigenschaften, die am Nanga Parbat unumgänglich sind. Somit wagte Steve House 2005 zusammen mit Vince Anderson die Besteigung der Rupalwand, wofür sie 2007 den Piolet d’Or erhielten. „Der Nanga Parbat war meine erste Liebe. Und wie es so ist bei jeder ersten Liebe: Ich ahnte nicht, was sie mir irgendwann abverlangen würde.“*** Während ihres sechstägigen Aufstiegs teilten sich House und Anderson nur einen Schlafsack, um zu viel Gepäck zu vermeiden. Sie suchten sich kaum geschützte Biwakplätze und ernährten sich von Energiepaste, Suppe und heißem Tee. Doch die schier unglaublichen Strapazen lohnen sich und beide schaffen den Aufstieg bis zum Gipfel.

Ein paar Augenblicke später kommt Vince. Ich stehe auf, um ihn anzusehen. Als er sich nähert, trete ich einen Schritt zurück auf den Gipfel des Nanga Parbat; Vince folgt mir, und wir umarmen und. Ich habe Tränen in den Augenwinkeln. Sie gefrieren, fallen in den Schnee zu meinen Füßen und werden Teil des Nanga Parbat, so wie er vor so vielen Jahren ein Teil von mir wurde.“ ***

Siegerfoto

* http://www.sueddeutsche.de (04/12/09)

** http://www.spiegel.de (04/12/09)

*** Messner, Reinhold. 2008. Diamir. König der Berge. Schicksalsberg Nanga Parbat. München: Frederking und Thaler Verlag GmbH.

Fotos: http://www.spiegel.de (04/12/09)

Interessanter Artikel auf http://www.focus.de/: “Der Neue Messner. Die steilsten Wände, die härtesten Routen: Der amerikanische Extrembergsteiger Steve House nimmt sie alle. Elegant, schnell und mit wenig Hilfsmitteln. Er gilt als der neue Reinhold Messner.”

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