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Nach unserer erfolgreichen Broad-Peak (8.047 m)-Besteigung 2007 beschloss ich mit meinen bewährten Seilpartnern Günther Unterberger (Ardning, OeAV Gesäuse) und Louis Rousseau (Quebec, Kanada) unser nächstes großes Ziel. 2009 wollten wir zum Nanga Parbat (8.125 m), sicher einer der geschichtsträchtigsten, schwierigsten und gefährlichsten Berge der Erde. |
Nach unserer erfolgreichen Broad-Peak (8.047 m)-Besteigung 2007 beschloss ich mit meinen bewährten Seil-
partnern Günther Unterberger (Ardning, OeAV Gesäuse) und Louis Rousseau (Quebec, Kanada) unser nächstes großes Ziel. 2009 wollten wir zum Nanga Parbat (8.125 m), sicher einer der geschichtsträchtigsten, schwierigs-
ten und gefährlichsten Berge der Erde. Monatelang durchleuchtete ich in unzähligen Büchern auf hunderten Bil-
dern die Flanken des Nanga Parbats und recherchierte im Internet, u.a. mit „Google Earth“. Schlussendlich hatte ich das Puzzle zusammengesetzt und ich konnte eine machbare neue Route am bisher unversuchten Nord-West- Pfeiler finden. In unserem Fokus stand eine Erstbegehung im alpinen Stil, ohne vorherige Erkundung der Route, ohne Träger, ohne künstlichen Sauerstoff und ohne Fixseile, sicher die anspruchsvollste, sportlichste und auch ehrlichste Methode, einen Achttausender zu besteigen.
Unter AV Patronanz
Mit ins Erstbegeher-Boot holte ich neben Günther und Louis noch meinen Everest-Kollegen Hans Goger aus dem Burgenland und den Salzburger Bergführer Sepp Bachmair. Ich begann die Reise unter der Schirmherrschaft des Oesterreichischen Alpenvereins zu organisieren und zu leiten und weitere 15 Teilnehmer, ein Großteil langjährige Bergkameraden, schlossen sich uns an. So waren wir eine bunte Truppe von Österreichern, Deutschen, Schwei-
zern, Italienern und Schotten. Sie wollten über den heutigen Normalweg, die Kinshofer-Route, aufsteigen. Dies sollte auch die Route sein, an der wir uns akklimatisierten. Am 17. Juni erreichten wir nach einwöchiger Anreise das Basislager auf 4.250 m. Dank unserem Expeditionsarzt Günther Straub wurden Krankheiten, massivere Höhen- und Verdauungsprobleme gut versorgt und blieben daher zum Glück im Rahmen, keine Selbstverständ-
lichkeit bei einer Bergreise in Asien.
Erstmals Neuland betreten
Nachdem wir unseren Organismus knapp 20 Tage an die Höhe gewöhnt hatten, brachen wir schließlich am 7. Juli zu unserem Erstbegehungsversuch auf. Parallel kletterten unsere Freunde auf der „Kinshofer“ Richtung Gipfel. Neben der persönlichen Ausrüstung nahmen wir nur ein 50-m-Seil, drei Eisschrauben, zwei Felshaken, sechs Eis-
geräte, zwei Zelte, fünf superleichte Schlafsäcke, zwölf Gaskartuschen, zwei Kocher und Nahrung für fünfeinhalb Tage mit. Vom Basislager stiegen wir mit schweren Rucksäcken über den Diamir- und Diama- Gletscher unter der eindrucksvollen Westwand zu unserem ersten Biwak (5.300m) auf und betraten erstmals Neuland. Den Nachmit-
tag über musterten wir die weitere Route, die Spannung war sprichwörtlich greifbar. Welche Hindernisse würde der nächste Tag bringen? Früh am nächsten Morgen starteten wir um an diesem Tag die Hauptschwierigkeiten der Route zu meistern: zuerst ein 50° steiles, 800 m hohes Eiscouloir, gefolgt von drei Seillängen im 60° steilen Blankeis. Aufgrund eines plötzlichen und typischen Schneesturms verwendeten wir kurzfristig das Seil. Hundert Meter höher erreichten wir erstmals an diesem Tag einen fast ebenen Platz auf 6.300 m, unser zweites Biwak. Wir konnten durchatmen.
Endlich in Sicherheit
Der dritte Tag brachte uns in etwas leichteres Gelände. Trickreich umgingen wir zwei gigantische Felstürme, spal-
tendurchsetzte Gletscher wechselten mit 50°-Flanken. Auf einem lawinensicheren Plateau (6.900 m) stellten wir am Nachmittag unsere Zelte auf. Am folgenden Tag erschwerten die große Höhe, der felsdurchsetzte Grat und der starke Wind unser Vorankommen zusehends. Auf 7.250 m setzten wir zu einer steilen, ausgesetzten Traverse an. Am Endpunkt auf einer kleinen Felskanzel angelangt lag endlich der Gipfelaufbau vor uns. Unter uns erblickten wir zu unserer Freude die Zelte unserer Freunde und rasch stiegen wir zu ihrem Lager (7.100 m) ab. Wir hatten über 2.300 Höhenmeter komplettes Neuland betreten und fühlten uns nach tagelanger Anspannung endlich in Sicher-
heit.
Hoffnung bis zuletzt
Über Funk erreichte uns in der Nacht aus dem Basislager die schreckliche Nachricht, dass sechs Koreaner und unser Freund Wolfgang Kölblinger erst um 19:00 Uhr bei starkem Sturm den Gipfel erreicht hatten und in Schwie-
rigkeiten wären. Am 11. Juli brachen wir in aller Früh in der Hoffnung auf, sie unversehrt zu finden. Im Morgen-
grauen begegneten wir den absteigenden Koreanern, zu unserer Überraschung und unserem Entsetzten war Wolfgang nicht dabei. Sie hatten ihn seit dem Gipfel nicht mehr gesehen. Louis und ich stiegen wie in Trance so rasch als möglich auf und suchten nach Wolfgang. Wenige Meter unter dem Gipfel dann die Katastrophe, wir fanden Wolfgangs Eispickel und den Rucksack. Eine Absturzspur führte ins Nichts. Er muss über 2.000 Meter abgestürzt sein, es bestand keine Überlebenschance.
Tief betroffen
Der Gipfel sollte die Krönung unseres Abenteuers werden, es endete in einer furchtbaren Tragödie. Wolfgang hatte mich bereits zum dritten Mal bei einer Expedition begleitet und war mir ein treuer Freund, der im gesamten Team sehr hohes Ansehen genoss. Mit dem Nanga Parbat hatte er seinen vierten Achttausender bestiegen und dieser Berg sollte sein größtes alpines Highlight werden.
Neun Teilnehmer unserer Gruppe bestiegen den Gipfel des Nanga Parbat. Hans Wenzl, die zwei Schotten Sandy Allan und Rick Allen und Wolfgang Kölblinger standen am 10. Juli, Louis Rousseau, Hans Goger, Sepp Bachmair, Herbert Schütter und ich am 11. Juli am höchsten Punkt.
Gerfried Göschl, Extrembergsteiger und Expeditionsleiter, Liezen




